Puls messen am Puls der Zeit

Paul ist es leid. Er ist 46 Jahre, fürsorglicher Familienvater von zwei Töchtern und vielbeschäftigter Angestellter im mittleren Management. In den letzten 15 Jahren hat sich bei ihm alles um seine Familie und seinen Job gedreht. Dies jedoch zu Lasten seiner Gesundheit – ein nicht besonders ansehnlicher Wohlstandsbauch hat sich über die Jahre entwickelt. Schleichend und zuerst nicht bemerkt musste über die Jahre eine neue Garderobe angeschafft werden. Seine Anzugshosen von vor 15 Jahren passen ihm schon lange nicht mehr. Und die neuen Anzüge zwacken auch schon wieder. Paul steht vor dem Spiegel und sagt dem Bauchspeck den Kampf an: „Ab jetzt werde ich wieder regelmäßig Sport treiben“, das ist sein neues Credo. Paul hat einen guten Freund, Thomas, er ist schon mehrere Marathons gelaufen. „Wenn du anfangen willst, Sport zu treiben, dann besorge dir eine Pulsuhr“ ist Thomas‘ Rat auf die Frage, was er sich besorgen soll. „Natürlich brauchst du auch Laufschuhe und Trainingsklamotten, aber um eine Pulsuhr kommst du nicht herum“.

Ein riesen Geschäft

Mit diesem Gedanken ist Thomas nicht alleine. Wer heute ernsthaft Sport treiben will oder seine Gesundheit tracken möchte, kommt um Pulsmessgeräte nicht herum. Es gibt keine genauen Zahlen, aber schätzungsweise werden jedes Jahr alleine in Deutschland mehrere Millionen Pulsuhren und Fitnesstracker verkauft. Mehr und mehr bekommt das Gesundheitstracking zu einem normalen Phänomen unserer Zeit. Mit zunehmenden technischen Möglichkeiten gibt es immer kleinere Geräte, die eine Reihe an Parametern aufzeichnen können. Aufgezeichnet werden häufig die absolvierten Schritte, der Schlaf und auch immer öfter der Puls. Moderne Uhren besitzen sogar weitere Sensoren, die die Aktivität selbstständig erkennen können. Ob der Anwender als Tennis spielt, joggt oder Rad fährt – die Uhr erkennt die Sportart und gibt weitere Werte wie absolvierte Strecke oder den Kalorienverbrauch aus.

Was genau beschreibt den Puls?

Laut der Website pulsmessen.org wird der Puls landläufig mit der Herzfrequenz gleichgesetzt. Mediziner verstehen unter dem Puls jedoch nicht nur die Frequenz der Herzschläge, sondern auch die Höhe und der Verlauf der Druckkurve. Eine Pulsuhr misst jedoch nur die Frequenz des Herzens; zur Nutzung beim Sport reicht dies auch völlig aus.

Entwicklung

Aber seit wann gibt es eigentlich Pulsuhren? Vorreiter dieser Entwicklung war die Firma Polar, die 1983 die erste Pulsuhr auf den Markt gebracht hat. Die legendäre PE 2000 war damit der erste mobile Pulsmesser, der in einer Uhr untergebracht war.

In den folgenden Jahren erschienen diverse weitere Pulsuhren, die jedoch eine Gemeinsamkeit hatten: Der Nutzer musste sich immer einen Brustgurt umschnallen – auf Dauer nicht besonders komfortabel, aber damals notwendig. In den 90er Jahren wurde dann das so genannte photoplethysmografische Verfahren entwickelt. Bei diesem Verfahren strahlt ein Sensor grünes Licht aus und misst gleichzeitig das reflektierte Licht. Da Blut besonders stark Licht in diesem Wellenbereich absorbiert wird also mehr Licht „verschluckt“ wenn gerade das Blut in einer Pulswelle durch die Gefäße bewegt wird. So kann das Gerät ziemlich genau die aktuelle Herzfrequenz berechnen.

Heutzutage sind beide Verfahren auf dem Markt, d.h. man hat die Auswahl zwischen Systemen mit Brustgurt als auch Geräte mit Handgelenkssensoren.

Verbindung mit dem Smartphone

Besonders praktisch ist die Kopplung über Bluetooth an das Smartphone. Hauseigene Apps oder Apps von Drittanbietern können so die aufgezeichneten Daten speichern oder auch in den sozialen Medien veröffentlichen. Dies ist jedoch optional, man kann sich die Ergebnisse auch einfach auf der Uhr anzeigen lassen.

Für wen eignen sich welche Geräte?

Welche Uhr die richtige ist, kommt auf das Anwenderprofil an. Wer gerne über den Tag verteilt seinen Puls tracken möchte und weniger für sportliche Zwecke, dem wird die Messgenauigkeit und auch der Komfort einer Pulsuhr mit Sensor gerecht.

Die Geräte mit Brustgurt sprechen nach wie vor Sportler an, da diese insbesondere bei variablen Belastungen und damit variablen Pulsraten genauer sind als Uhren mit Handgelenkssensor. Um über den ganzen Tag den Puls aufzuzeichnen sind diese Geräte weniger geeignet, denn der Brustgurt ist auf lange Sicht nicht sonderlich bequem.

Was ist von Ergometern mit Pulsmessgerät zu halten?

Es gibt neben den 2 beschriebenen Uhrtypen auch noch Sportgeräte, die direkt den Puls über die Griffe bestimmen können. Dies hat den Vorteil, dass keine weitere Technik benötigt wird. Für den Hobbysportler sind diese Messgeräte auch völlig ausreichend; der ambitionierte Sportler oder Profi sollte sich jedoch zumindest einen Brustgurt kaufen. Mit einem Brustgurt steigt die Messgenauigkeit deutlich und so kann man ohne zusätzliche Uhr den eigenen Puls beim Joggen, Fahrradfahren oder Rudern messen.

Welcher Pulsbereich eignet sich für wen?

Je nach Tracking- und Trainingsziel gibt es verschiedene Zielpulsbereiche. Wer den Puls über den Tag messen will und sich mit anderen vergleichen will, der kann seine Werte mit den Normwerten anderer vergleichen.

Der Trainings- oder belastungspuls ist etwas schwieriger zu berechnen. Er richtet sich bei Gesunden nach Alter, Ruhepuls und Trainingsziel. Wer seinen eigenen Trainingspuls berechnen will, dem sei der Rechner auf fitforfun.de empfohlen.

Man kann auch manuell messen:

Eins soll nicht verschwiegen werden. Man braucht nicht unbedingt eine Pulsuhr, die einem die eigene Pulsfrequenz anzeigt. Man kann auch manuell den Puls messen: Dafür legt man einfach Zeige- und Mittelfinger auf die am anderen Handgelenk verlaufene Radialarterie und zählt die Anzahl der Herzschläge innerhalb von 15 Sekunden. Diesen Wert multipliziert mit vier ergibt den persönlichen Puls.

Für jeden das richtige Gerät

Der Markt ist riesengroß, da kann man schon mal den Überblick verlieren. Wenn man jedoch weiß, wofür man die Uhr nutzen will, für den schränkt sich das Angebot schon deutlich ein. Dann geht es nur noch um den Preis, Design und die Features die man haben möchte. Tipp: Wer sparen möchte, sollte im Frühjahr bei den einschlägigen Discountern ein Auge auf die Werbung behalten – das ist die beste Saison um dort ein günstiges Gerät ergattern zu können. Wer nur zwischendurch seinen Puls bestimmen möchte, für den reicht auch die manuelle Methode zum Messen am Handgelenk.

Paul hat es Thomas nachgetan und sich eine moderne Pulsuhr mit Brustgurt zugelegt. So zieht er nun zusammen mit Thomas seine Runden durch den Park und freut sich schon auf seine neue Garderobe. Seine Hose sitzt auf jeden Fall schon deutlich weiter.

 

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